An Herrn von Ribbecks
Birnen naschen
Ribbeck im Havelland
„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland…“ – kaum ein Gedicht ist so eng mit einem Ort verbunden wie Theodor Fontanes berühmte Ballade mit dem Birnbaum. Noch heute spürt man in Ribbeck diese besondere Poesie.
Rund um das ehemalige Rittergut derer von Ribbeck dreht sich alles um die Birne: Im Schloss Ribbeck mit Fontane-Museum und stilvoller Gastronomie, im Deutschen Birnengarten, in der Dorfkirche mit dem legendären Birnbaumstumpf oder in der alten Brennerei, wo ein Wesches Café mit Hofladen Einzug gehalten hat. Die Alte Schule gibt jedem Besucher immer noch das Gefühl, sich aufrecht hinzusetzten und dem Lehrer aufmerksam zu zuhören. Im Landhaus Ribbeck kann man sich ganz ungezwungen der Kunst widmen und im ZuhauseGefühle findet man genau das - ein Gefühl wie zu Hause.
Ein Spaziergang durch das Dorf gleicht einer Reise in die Vergangenheit – lebendig erzählt bei szenischen Führungen mit viel Witz und Humor. Kulturelle Höhepunkte wie Lesungen, Theater, Puppenspiele, Konzerte oder Kunstausstellungen füllen Ribbeck mit Leben. Und manchmal begegnet man ihm sogar noch: dem „Herrn von Ribbeck“, mit Taschen voller Birnen.
Ribbeck im Havelland – ein Ort, an dem Geschichte, Kultur und Gastlichkeit auf einzigartige Weise miteinander verschmelzen.
Theodor Fontane (1889)
Herr von Ribbeck auf Ribbeck
im Havelland
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl, Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher, So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit, Wieder lachten die Birnen weit und breit,
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab. Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus, Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner, mit Feiergesicht, Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer, »He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht, Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,
Der neue freilich, der knausert und spart, Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt,
Aber der alte, vorahnend schon Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat, Als um eine Birn ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus, Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gehen wohl auf und ab, Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung übern Kirchhof her, So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick gew di 'ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
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