Tietzow bedeutet vermutlich „Ort, an dem es Eiben gibt“. So deuten es die Namensforscher, und der Name ist polabisch, also slawischen Ursprungs. Er stammt aus einer Zeit, in der hier noch niemand von Brandenburg sprach. Einen Kilometer nordwestlich des Dorfes liegt der Burgwall Tietzow, eine slawische Niederungsburg aus dem 8. bis 12. Jahrhundert. Sie misst etwa 120 mal 80 Meter und ist heute von Eichen und Haselsträuchern überwachsen. Wer sie sucht, folgt einem Feldweg. Rund 300 Menschen leben heute im Dorf, 13 Kilometer nordöstlich von Nauen. Man kennt sich. Das merkt man an der Bank.
Die Bank am Dorfanger
Sie steht am Dorfanger, direkt neben dem Kinderspielplatz. Gebaut ist sie aus kräftigen Rundhölzern, mit einem Dach aus rotbraunen Schindeln darüber. Hier trifft man sich, ob für kurze Momente oder für ein Pläuschchen bei Kaffee und Kuchen. Man bespricht Neues im Dorf oder schwelgt in Erinnerungen. Vor der Bank liegt der Spielplatz mit Sandfläche, Schaukel und Wippe. Eltern und Großeltern sitzen hier im Trockenen und behalten den Überblick. Entstanden ist die Bank aus dem Dorf heraus. Die Idee kam Anfang 2025 aus dem Ortsbeirat. Umgesetzt hat es das ganze Dorf. Ein Gemeinschaftsprojekt auf das alle stolz sein können.
Dahinter wird gefeiert
Hinter der Bank steht die Festscheune. Sie ist der zentrale Platz des Ortes, hier kommt zusammen, wer feiern will. Gleich daneben bietet das Dorfgemeinschaftshaus Raum für Kurse und Gruppen, für Vereine und größere Feiern. Getragen wird das Dorfleben von denen, die dort wohnen: dem Verein Tietzow e. V., dem Heimatverein und der Freiwilligen Feuerwehr. Im Herbst feiern sie das Erntefest, im Winter treffen sie sich zum Skatabend. Ein Dorf mit 300 Einwohnern braucht keinen Veranstaltungskalender. Es braucht einen Platz, an dem man sich sieht, und den gibt es hier.
Was der Anger bewahrt
Auf dem Anger stehen auch ein Taufbecken und eine Glocke. Beide gehörten zur Dorfkirche, die es nicht mehr gibt. Ein Sturm beschädigte sie 1963, danach wurde sie abgerissen und verschwand sie aus dem Ortsbild. Was blieb, steht jetzt unter freiem Himmel im Zentrum des Dorfes. Wer auf der Bank sitzt, schaut also auf ein Stück Ortsgeschichte, ohne dass eine Tafel es erklären müsste.
Lachende Dörfer
Theodor Fontane zählte Tietzow in seinem Gedicht „Havelland“ von 1872 zu den „lachenden Dörfern“. Seit dem späten 19. Jahrhundert fuhren Berliner zum Ausflug hierher. Auch Neues hat in Tietzow Platz: 2011 eröffnete hier die erste Milchtankstelle Brandenburgs.
Dass ein Dorf mit rund 300 Einwohnern so viel Eigenes hat, überrascht nur den, der noch nie auf dieser Bank gesessen hat. Von hier hört man Kinderlachen vom Spielplatz und im Hintergrund die Vorbereitungen für das nächste Fest. Man versteht dann, wie Fontane auf seine Formulierung kam.
Bank am Dorfanger
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- Am Dorfanger14641 Tietzow












