Ein Turm, der eigentlich keiner ist, eine Geschichte voller Zerstörung und Wiederaufbau und ein Storchenpaar, das sich hier seit Jahrzehnten zu Hause fühlt – der Schwedenturm in Wagenitz gehört zu den ungewöhnlichsten historischen Bauwerken des Havellands. Was heute wie ein geheimnisvoller Turm erscheint, diente ursprünglich einem ganz alltäglichen Zweck: dem Kochen.
Errichtet wurde das freistehende Gebäude von Hartwig von Bredow als Küche des ehemaligen Gutshofes. Aus Brandschutzgründen stand es abseits der übrigen Gebäude. Im Inneren befanden sich zwei Herdstellen, getrennt durch eine mittlere Wand. Besonders außergewöhnlich waren die mächtigen, kuppelartigen Rauchfänge, die sich nach oben öffneten und dem Bauwerk sein unverwechselbares Aussehen verliehen.
Seinen Namen verdankt der Schwedenturm einem dunklen Kapitel der Ortsgeschichte. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Wagenitz von schwedischen Söldnern geplündert und weitgehend zerstört. Hans Christoph I. von Bredow, der als Kind außerhalb des Dorfes Zuflucht gefunden hatte, ließ den Ort später wiederaufbauen. Der ungewöhnliche Küchenbau blieb erhalten und erhielt im Volksmund den Namen Schwedenturm.
Die Geschichte des Schwedenturms ist auch in jüngerer Zeit von Veränderungen geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude zeitweise als Wohnraum, bevor 1969 die letzten Bewohner auszogen. Anschließend entdeckten Störche das markante Bauwerk als Nistplatz und sind ihm bis heute treu geblieben.
Nachdem 1984 einer der historischen Rauchfänge eingestürzt war, wurde der Schwedenturm zwischen 1991 und 1994 aufwendig gesichert und restauriert. Seit 1995 beherbergt er ein kleines Museum, das Einblicke in die Geschichte des außergewöhnlichen Bauwerks bietet.
Schwedenturm in Wagenitz
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