SOLO SUNNY
Theaterfassung von Hakan Savaş Mican
Ihr eigentlicher Name ist Ingrid Sommer, doch auf der Bühne, im Rampenlicht, nennt sie sich Sunny. Mit der Tanzkapelle Die Tornados tingelt sie durch die Provinz und singt in Gasthäu - sern bei Bier, Schnaps und Bratkartoffeln. Kein glamouröses Am - biente. Aber Sunny, die eigentlich Schlosserin gelernt hat, träumt trotzdem von einer glanzvollen Karriere. Sie will sich gegen die lähmende Tristesse des Alltags als Künstlerin behaupten. Doch mit der Radikalität ihres Glücksanspruchs eckt sie überall an: So beschweren sich die Nachbar*innen ihrer Berliner Hinterhaus - wohnung über Sunnys freizügigen Lebenswandel bei der Polizei. Und weil ihre männlichen Bandkollegen mit ihrer eigenwilligen Autonomie nicht klarkommen, fliegt sie bei den Tornados raus. Auch die Liebesgeschichte mit einem jungen Philosophen endet in einer großen Enttäuschung. Für einen Moment liegt Sunny mit gebrochenen Flügeln am Boden. Aber dann schüttelt sie sich und steht wieder auf.
„Solo Sunny“ aus dem Jahr 1980 gehört zu den erfolg - reichsten Filmen des DDR-Kinos. Im Zentrum steht eine rebellische, aber auch verletzliche junge Frau, die eine unbändige Sehnsucht im Herzen trägt und sich nicht demütigen lassen will – schon gar nicht von Männern. Und die deshalb zur Außenseiterin gemacht wird. Regisseur Hakan Savaş Mican, der lange Hausregisseur am Berliner Maxim Gorki Theater und 2025 zum Berliner Theatertreffen eingeladen war, bringt den bekannten Stoff mit viel Live-Musik in einer neuen Lesart auf die Bühne. Dabei bezieht er – unter Verwendung von Texten aus Alexandra Czoks Dokumentarfilm „Solo für Sanije“ – auch die reale Biografie von Sanije Torka ein, dem Vorbild für die Filmfigur Sunny. Torka führte mit ihrer radikal unangepassten, schillernden Persönlichkeit ein extremes Leben an den Rändern der Gesellschaft.
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