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title: "Bank \"Oma Erna\""
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description: "Wer in Börnicke wissen will, was los ist, setzt sich zu Oma Erna. Die Bank steht mitten im Ort, gegenüber der Bushaltestelle. Von hier sieht man, wer kommt und wer geht: den Bus nach Nauen, den Nachbarn mit dem Fahrrad, die Kinder auf dem Heimweg. Der Name klingt nach Küchentisch und Kaffeekanne. Dazu passt der Platz.Dach, Baumscheiben und Bücher Die Bank steht unter einem Satteldach aus kräftigem Holz. Das Dach hält Regen und Mittagssonne ab, man sitzt hier also fast bei jedem Wetter trocken. Gleich daneben steht eine blaue Telefonzelle. Telefoniert wird hier nicht mehr. Hinter den Glasscheiben stehen Regalbretter voller Bücher, und wer eines mitnimmt, stellt gern ein anderes zurück. Gelesen wird auf Oma Erna mit Blick aufs Dorf. So wird aus einer Haltestelle ein Ort zum Bleiben.Ein Dorf mit langem Gedächtnis Unter Börnicke liegt mehr, als man beim Durchfahren vermutet. Ein Urnengräberfeld aus der älteren Eisenzeit zeigt, dass hier schon vor Jahrtausenden Menschen lebten, und auch die Slawen hinterließen Spuren. Urkundlich taucht das Dorf erst 1355 auf. Siedler aus dem Harzvorland legten es als Angerdorf an, und den Namen brachten sie vermutlich gleich mit: Börnicke heißt wohl „kleiner Brunnen“ und könnte von einem Ort gleichen Namens bei Staßfurt übertragen worden sein. Heute leben hier 866 Menschen, zehn Kilometer nordöstlich von Nauen. Zwei Bänke laden ein, das Dorf von zwei Seiten kennenzulernen.Kirche und Feuerwehr Nicht weit von der Bank \"Oma Erna\" steht die Dorfkirche, mitten im Ort auf dem weitläufigen Anger. Der spätgotische Backsteinsaal stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sein Ostgiebel ist mit Blenden geschmückt, und den bretterverkleideten Dachreiter auf der Westseite bekam er im 18. Jahrhundert. Drinnen lohnt sich der zweite Blick. Der geschnitzte Altaraufsatz entstand um 1600 und trägt reiches Beschlag- und Rollwerk. 1739 wurde er restauriert. Das Gemälde darin zeigt die Taufe Christi, gemalt im Stil des niederländischen Spätmanierismus. Die Renaissance-Kanzel stammt aus derselben Zeit: Ihr vieleckiger Korb ruht zwischen Säulen, auf denen die vier Evangelisten abgebildet sind, und an der Rückwand zeigt ein Gemälde Christus als Weltenherrscher. Im Westen liegt eine Empore. Dort legten Restauratoren 2026 übermalte Bibelsprüche aus dem 19. Jahrhundert frei und fanden darunter Spuren einer älteren, barocken Gestaltung. Die Kirche gibt ihre Geschichte also Schicht für Schicht preis. Im Turm hingen einmal drei Glocken. Geblieben ist die größte, die beiden kleineren wurden 1916 für die Waffenproduktion des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen. Seit 1909 gibt es die Freiwillige Feuerwehr, heute mit rund 30 Aktiven. Sie gilt als sozialer Mittelpunkt des Ortes, und wer im Dorf mitfeiern will, landet früher oder später bei ihr.Ein Kapitel, das bleibt Zu Börnicke gehört auch ein dunkles Kapitel. Im Mai 1933 richtete die SA in einer ehemaligen Zementfabrik an der Straße nach Tietzow eines der frühen Konzentrationslager ein. Die Häftlinge waren überwiegend Kommunisten und Sozialdemokraten aus dem Osthavelland. Mindestens zehn Menschen wurden ermordet, weitere starben an den Folgen. Im Juli 1933 wurde das Lager aufgelöst, 79 Gefangene brachte man nach Oranienburg. Seit 1975 erinnert ein Mahnmal an die Opfer: „Die Toten mahnen. Ehre ihrem Andenken.“ Der Historiker Andreas Pupkes hat das Lager 2022 in einem Buch aufgearbeitet. Es trägt einen Satz aus dem Dorf als Titel: „Wie es in Börnicke zugegangen ist, weiß ja jeder Nauener.“ Die Erinnerung bleibt dabei nicht Büchern überlassen. Im Mai 2026 kamen Bürgermeister, Ortsvorsteher und Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums und des Leonardo-da-Vinci-Campus Nauen am Mahnmal zusammen, 93 Jahre nach Einrichtung des Lagers. Es gab Reden, Kränze, zwei Kerzen und eine Schweigeminute, und zwei Schüler spielten Klavier und Violine. Die Stadt Nauen schrieb: „Erinnerung braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen.“ Börnicke versteckt seine Geschichte nicht. Es gibt sie jedes Jahr an junge Leute weiter.Ein Buch, ein Platz, ein Bus Wer Zeit hat, nimmt sich ein Buch aus der blauen Zelle und lässt den Bus einmal ohne sich fahren. Wer danach noch Bewegung braucht: Die zweite Bank im Ort steht an der Lehmbahn und ist der Start einer Acht-Kilometer-Runde durch den Wald."
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Bank "Oma Erna"
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- Tipp
- Sitzbänke

Bank "Oma Erna" Börnicke

Personen an der Bank "Oma Erna"

Personen an der Bank "Oma Erna"

Bücherbox an der Bank "Oma Erna"

Dorfkirche Börnicke

Bank an der Lehmbahn

Wer in Börnicke wissen will, was los ist, setzt sich zu Oma Erna. Die Bank steht mitten im Ort, gegenüber der Bushaltestelle. Von hier sieht man, wer kommt und wer geht: den Bus nach Nauen, den Nachbarn mit dem Fahrrad, die Kinder auf dem Heimweg. Der Name klingt nach Küchentisch und Kaffeekanne. Dazu passt der Platz.

**Dach, Baumscheiben und Bücher**
Die Bank steht unter einem Satteldach aus kräftigem Holz. Das Dach hält Regen und Mittagssonne ab, man sitzt hier also fast bei jedem Wetter trocken. Gleich daneben steht eine blaue Telefonzelle. Telefoniert wird hier nicht mehr. Hinter den Glasscheiben stehen Regalbretter voller Bücher, und wer eines mitnimmt, stellt gern ein anderes zurück. Gelesen wird auf Oma Erna mit Blick aufs Dorf. So wird aus einer Haltestelle ein Ort zum Bleiben.

**Ein Dorf mit langem Gedächtnis**
Unter Börnicke liegt mehr, als man beim Durchfahren vermutet. Ein Urnengräberfeld aus der älteren Eisenzeit zeigt, dass hier schon vor Jahrtausenden Menschen lebten, und auch die Slawen hinterließen Spuren. Urkundlich taucht das Dorf erst 1355 auf. Siedler aus dem Harzvorland legten es als Angerdorf an, und den Namen brachten sie vermutlich gleich mit: Börnicke heißt wohl „kleiner Brunnen“ und könnte von einem Ort gleichen Namens bei Staßfurt übertragen worden sein. Heute leben hier 866 Menschen, zehn Kilometer nordöstlich von Nauen. Zwei Bänke laden ein, das Dorf von zwei Seiten kennenzulernen.

**Kirche und Feuerwehr**
Nicht weit von der Bank "Oma Erna" steht die Dorfkirche, mitten im Ort auf dem weitläufigen Anger. Der spätgotische Backsteinsaal stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sein Ostgiebel ist mit Blenden geschmückt, und den bretterverkleideten Dachreiter auf der Westseite bekam er im 18. Jahrhundert. Drinnen lohnt sich der zweite Blick. Der geschnitzte Altaraufsatz entstand um 1600 und trägt reiches Beschlag- und Rollwerk. 1739 wurde er restauriert. Das Gemälde darin zeigt die Taufe Christi, gemalt im Stil des niederländischen Spätmanierismus. Die Renaissance-Kanzel stammt aus derselben Zeit: Ihr vieleckiger Korb ruht zwischen Säulen, auf denen die vier Evangelisten abgebildet sind, und an der Rückwand zeigt ein Gemälde Christus als Weltenherrscher. Im Westen liegt eine Empore. Dort legten Restauratoren 2026 übermalte Bibelsprüche aus dem 19. Jahrhundert frei und fanden darunter Spuren einer älteren, barocken Gestaltung. Die Kirche gibt ihre Geschichte also Schicht für Schicht preis. Im Turm hingen einmal drei Glocken. Geblieben ist die größte, die beiden kleineren wurden 1916 für die Waffenproduktion des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen.
Seit 1909 gibt es die Freiwillige Feuerwehr, heute mit rund 30 Aktiven. Sie gilt als sozialer Mittelpunkt des Ortes, und wer im Dorf mitfeiern will, landet früher oder später bei ihr.
**Ein Kapitel, das bleibt**
Zu Börnicke gehört auch ein dunkles Kapitel. Im Mai 1933 richtete die SA in einer ehemaligen Zementfabrik an der Straße nach Tietzow eines der frühen Konzentrationslager ein. Die Häftlinge waren überwiegend Kommunisten und Sozialdemokraten aus dem Osthavelland. Mindestens zehn Menschen wurden ermordet, weitere starben an den Folgen. Im Juli 1933 wurde das Lager aufgelöst, 79 Gefangene brachte man nach Oranienburg. Seit 1975 erinnert ein Mahnmal an die Opfer: „Die Toten mahnen. Ehre ihrem Andenken.“
Der Historiker Andreas Pupkes hat das Lager 2022 in einem Buch aufgearbeitet. Es trägt einen Satz aus dem Dorf als Titel: „Wie es in Börnicke zugegangen ist, weiß ja jeder Nauener.“
Die Erinnerung bleibt dabei nicht Büchern überlassen. Im Mai 2026 kamen Bürgermeister, Ortsvorsteher und Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums und des Leonardo-da-Vinci-Campus Nauen am Mahnmal zusammen, 93 Jahre nach Einrichtung des Lagers. Es gab Reden, Kränze, zwei Kerzen und eine Schweigeminute, und zwei Schüler spielten Klavier und Violine. Die Stadt Nauen schrieb: „Erinnerung braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen.“ Börnicke versteckt seine Geschichte nicht. Es gibt sie jedes Jahr an junge Leute weiter.
**Ein Buch, ein Platz, ein Bus**
Wer Zeit hat, nimmt sich ein Buch aus der blauen Zelle und lässt den Bus einmal ohne sich fahren. Wer danach noch Bewegung braucht: Die zweite Bank im Ort steht an der Lehmbahn und ist der Start einer Acht-Kilometer-Runde durch den Wald.

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